Technisches Hilfswerk
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Frankreich-Urlaub einmal völlig anders

31.07. - 10.08.2008

13 Aachener THW-Helfer beim CMS-Lehrgang „Technicien de Catastrophes".

„Bonjour – guten Morgen – buenos dias“ – dieser morgendliche Gruß galt dem Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Lehrgangs „Technicien de Catastrophes“, die zum Morgenappell in Cuvry/Frankreich angetreten waren. Insgesamt 42 Teilnehmer aus Frankreich, Andorra und Deutschland, unter ihnen 13 Helfer des Technischen Hilfswerks aus Aachen (3); Stolberg (1); Düren (1); Hürtgenwald (3) und Hückelhoven (6) waren zu dem Lehrgang des Corps Mondial de Secours – CMS – angereist.

Das CORPS MONDIAL DE SECOURS ist eine vom französischen Staat anerkannte nichtstaatliche Hilfsorganisation (NGO) des französischen Katastrophenschutzes (Securité Civile) mit ausschließlich ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und den Aufgabenschwerpunkten Bergung und Rettung, insbesondere im Ausland. Zuletzt war das CMS bei der Überschwemmungskatastrophe in Birma im Einsatz. Seit 1985 bestehen zwischen dem CMS und dem THW Nordrhein-Westfalen enge freundschaftliche Kontakte. Seit 1987 haben mehr als 120 Helfer des THW an den Lehrgängen des CMS „Technicien de Catastrophes" teilgenommen, die einmal im Jahr stattfinden. Federführend für die Kontaktpflege zum CMS ist die THW-Geschäftsstelle Aachen. Geschäftsführer Wolfgang Friebe konnte sich auch in diesem Jahr vor Ort vom guten Verlauf des Lehrgangs überzeugen. Die Anreise der THW-Helfer erfolgte mit 2 GKW und 1 MTW. Ein THW-LKW Lbw mit den Fahrern Markus Kalf (OV Aachen) und Rainer Bergs übernahm den Transport der beim Lehrgang benötigten Gerätesätze aus dem CMS-Lager in Rouen zum Lehrgang und zurück. Bei der Ankunft am Freitagabend im Basiscamp Cuvry wurden die THW-Helfer von den französischen Freunden herzlich begrüßt.

Am Samstagmorgen ging es direkt los mit Vorstellung der Teilnehmer und des Lehrgangs und der Bildung der Gruppen. Die Helfer wurden in zwei Einsatzgruppen - Franzosen, Deutsche und Andorraner gemischt - mit jeweils zwei Trupps (Equipes) eingeteilt. Die Ausbildung erfolgte wie beim THW durch die Gruppen- und Truppführer, die bei Bedarf durch einen Ausbilder unterstützt wurden. Der Lehrgang fand unter einsatznahen Bedingungen statt, die Unterbringung erfolgte in Zelten auf Feldbetten. Eine Nacht verbrachten die Teilnehmer in einem selbst errichteten Biwak in freier Natur mit Planen und Schlafsack. Das Schlafen auf dem Waldboden war sicherlich für viele ungewohnt. Das Wetter spielte einigermaßen mit, wenn auch das Biwak wegen starkem Regen um einen Tag verlegt werden mußte. Theoretische und praktische Ausbildung in der Bergung und Rettung von Verletzten und von sonstigen Hilfsmaßnahmen bei Katastrophen sowie Übungen bei Tag und bei Nacht ließen die Helfer nicht zur Ruhe kommen, sie mußten mit nur wenigen Stunden Schlaf auskommen.

Am Sonntagmorgen wurden die Teilnehmer zur Einstimmung um 5 Uhr mit einer Alarmübung aus dem Schlaf geholt. Es galt, in einem schwer zugänglichen Gelände Vermißte zu suchen und zu bergen. Nach dem dreistündigen Einsatz schmeckte das anschließende Frühstück im Gelände besonders gut. Danach ging es dann in die Ausbildung. Das intensive Programm umfasste die vertiefte Erste Hilfe, die Techniken der Bergung aus Höhen und Tiefen wie Leiterhebel, Schiefe Ebene, Seilbahn, 4-Mann-Methode, Einsatz der Ablassacht, aber auch der technischen Geräte wie u.a. Motorsäge, Trennschleifer, Gesteinsbohrhammer, Beleuchtung und die Ortung von verschütteten Personen und deren Bergung. Theorie und Praxis wechselten sich ab, trotz einiger sprachlicher Probleme klappte die Zusammenarbeit zwischen den Helfern aus Frankreich, Deutschland und Andorra bestens. Die Verständigung erfolgte - wie ein Ausbilder feststellte – in 6 Sprachen: Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch, mit Händen und mit Füßen, aber immer erfolgreich. Es war manchmal faszinierend zu beobachten, wie sich die Helfer trotz fehlender Sprachkenntnisse sehr gestenreich, aber erfolgreich unterhielten und verstanden.

Die französische Lehrgangsleitung, zu der der ehemalige Aachener THW-Geschäftsführer Gerhard Escherich – auch Mitglied des Präsidiums des CMS - als stv. Lehrgangsleiter sowie Rainer Bergs (OV Hürtgenwald) und Frank Lafarré (OV Düren) als Ausbilder gehörten, bemühte sich mit Erfolg, die Teilnehmer ständig zu fordern und nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Fast jeden Abend wurden die Helfer bei einer Nachtübung gefordert, es gab nur wenige Stunden Schlaf. Das Ziel, den Teilnehmern die Grenzen ihrer Belastbarkeit aufzuzeigen, wurde voll erreicht ebenso wie die Absicht, die Integration der Helfer in einer gemischten Gruppe zu fördern, damit alle gemeinsam erfahren, unter Ausnahmebedingungen an Realeinsätzen teilzunehmen. Die Übungsmöglichkeiten waren ideal, in einem alten Fort und einer verlassene Siedlung konnten alle Arten der Bergungsmethoden geübt werden.

Am Mittwochnachmittag kurze Zensur des Lehrgangs. Die Teilnehmer fuhren gemeinsam nach Metz und hatten Gelegenheit, bei einer Fahrt mit der „Bimmelbahn“ die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken und einen Stadtbummel zu machen.

Eine hochrangige Kommission der nationalen Direction de Securité Civile aus Paris besuchte im Rahmen einer Inspektionsreise am Donnerstag den Lehrgang. General Kowalski, Colonel Trutmann und Inspektor Pichon zeigten sich sehr interessiert an den Ausbildungsinhalten des Lehrgangs und an der Zusammenarbeit von CMS und THW. Gerhard Escherich informierte sie ausführlich über Struktur und Aufgaben des THW und übergab ihnen die französische Fassung des THW-Films. Am Donnerstagabend erlebte der Lehrgang eine böse Überraschung. Eine Windhose mit starkem Regen fegte über das Zeltlager und riß die Zelte mit sich. Betten, Schlafsäcke und persönliche Sachen wirbelten durch die Gegend und waren total durchnäßt. In einem benachbarten Internat fanden die Teilnehmer ein Ausweichquartier, die Securite Civile konnte für die Nacht fast alle Helfer mit Decken versorgen. Zwei Helfer ohne Decke montierten die Vorhänge ab und konnten sich so für die Nacht behelfen. Am nächsten Morgen wurden mit Heißluftgebläsen der Securité Civile die Sachen getrocknet, so konnte der Lehrgang problemlos weiterlaufen.

Die Abschlußübung am Freitagabend in einem beeindruckenden Übungsgelände, das eine eingestürzte Autobahnbrücke darstellte, forderte nochmals alles von den Teilnehmern. Obwohl das Gelände eigentlich für die Ausbildung von Rettungshunden angelegt war, eignete es sich auch für eine Großübung hervorragend. Das Gelände erinnerte nicht wenige der Teilnehmer an die in den USA eingestürzte Highwaybrücke. Zwischen Schrottautos und –Bussen sowie Trümmern und scharfkantigen Eisenstangen machten vor allem der rutschige Boden sowie die Dunkelheit im Gelände den Lehrgangsteilnehmern zu schaffen. Eine große Anzahl von Verletztendarstellern war in schwierigen Lagen im Gelände versteckt und mußte gesucht und geborgen werden. Eine Gruppe von Bergungsspezialisten aus Luxemburg verfolgte sehr interessiert den Übungsablauf und äußerte sich sehr positiv. Erst in den frühen Morgenstunden des Samstags waren alle Verletzten geborgen und die Helfer am Ende ihrer Kräfte. Um 04.00 Uhr fielen die letzten ins Bett.

Nach kurzem Schlaf – um 08.00 Uhr war Frühstück - stand am Samstag, dem letzten Lehrgangstag, Fahrzeug- und Gerätepflege und Reinigen der Quartiere auf dem Programm. Am Nachmittag wurde der Lehrgang gemeinsam in den Gruppen ausgewertet, alle Teilnehmer stellten fest, dass die Woche sehr anstrengend, aber ein besonderes Erlebnis war und alle sowohl auf technischer als auch auf zwischenmenschlicher Ebene wertvolle Erfahrungen sammeln konnten. Dies kam auch bei der gemeinsamen Schlußbilanz zum Ausdruck. Zum gemütlichen Abschlußabend waren auch die Bürgermeister und die Verantwortlichen der Gemeinden, in denen die Ausbildungen und Übungen stattfanden, gekommen und zeigten sich beeindruckt von dem Einsatz der ehrenamtlichen Helfer. Sie versprachen ihre volle Unterstützung auch bei den künftigen Lehrgängen. Anschließend ging es dann recht fröhlich zu, auch gab es erstmals im Lehrgang Bier und Wein statt Wasser.

Alle Teilnehmer waren im Verlauf des Lehrgangs von den Ausbildern beurteilt worden, sowohl die technischen Fertigkeiten wie auch das persönliche Verhalten wurden bewertet. Bei der Aushändigung der Urkunde als „TECHNICIEN DE CATASTROPHES" wurde von der Lehrgangsleitung im Einzelgespräch jedem Teilnehmer auch die Beurteilung bekannt gegeben. Alle Teilnehmer waren erfolgreich, nur ein französischer Helfer hatte das Lehrgangsziel nicht erreicht. Nach einem herzlichen Abschied reisten die Teilnehmer am Sonntagmorgen müde, erschöpft, aber voller positiver Eindrücke von diesem neuntägigen Aufenthalt besonderer Art aus Frankreich in ihre Heimatorte zurück mit dem Versprechen, die geknüpften Kontakte weiter zu pflegen.



Weitere Bilder gibt es hier



Gerhard Escherich
Bereichsausbilder Funk
OV Aachen

Fotos:
Markus Kalf
Zugführer 2. Technischer Zug
OV Aachen

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