Technisches Hilfswerk
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Hilfe für die Sowjetunion (Teil 1)

Lebensmitteltransport des THW nach Moskau
vom 19.03.1991 – 30.03.1991

Nach wochenlanger Vorbereitung sowie dem Einkauf von großen Mengen Lebensmitteln und 900 (!) Getränkedosen und einem großen „Technischen Dienst“ trafen sich am 19. März 1991 zwölf Helfer aus dem Geschäftsführerbereich Aachen mit dem THW-Geschäftsführer des GFB Aachen Gerhard Escherich sowie dem Dolmetscher Günter Maschke vom THW Stolberg. Außer den beiden letztgenannten waren allesamt Kraftfahrer für Lastzüge.

Unter der Leitung von Gerhard Escherich startete der Konvoi von 6 LKW + Anhänger und einem Ford-Transit Kombi zu einem Hilfsgütertransport im Auftrag der THW-Leitung nach Moskau. Der Weg führte zunächst nach Offenburg.
In Offenburg sowie in Kehl wurden die LKW und die Anhänger beladen. In Kehl trafen dann noch zwei Kraftfahrer des Landesverbands Saarland zum Konvoi. Nach diesem ersten Abschnitt wurde in einem kleinen Hotel übernachtet und am nächsten Morgen mussten die Fahrzeuge durch den Zoll verplombt werden

Das nächste Ziel war hoch gesteckt: Frankfurt – Oder !
In Frankfurt-Oder erreichten wir nach 18 Stunden Fahrt die Militärtechnische Schule der Bundeswehr , eine ehemalige NVA-Kaserne. Bei der Ankunft hatten einige Kameraden der Bundeswehr trotz der späten Stunde eine warme Mahlzeit für uns zubereitet.

Nach Beheben der Reifenpanne eines Anhängers konnte am nächsten Morgen die Fahrt um 08:45 Uhr nach Brest in Weißrussland fortgesetzt werden. Einen 25 km langen Abfertigungs-Stau hatten an der deutsch-polnischen Grenze haben wir mit Blaulicht und etwas Mut einfach überholt, um uns dem polnischen Zoll mit vorgepackten Ausweisen, Ladepapieren und einer gewissen Menge Naturalien zu stellen.
Nach der Durchquerung von Polen sowie einer Stadtumfahrung von Warschau erreichten wir den THW-Stützpunkt Terespol in Brest um 02:20 Uhr.

Durch die Zeitverschiebung in der GUS um +2 Std. fiel in Brest die Übernachtung nur kurz aus und am Morgen nahmen wir Kurs auf die Russische Autobahn in Richtung Minsk. Dort stellten wir bei einer Rast den Bruch eines Federblattpaketes an einem Anhänger fest. So mussten wir ca. acht Tonnen Lebensmittelpakete auf alle anderen Fahrzeuge und Anhänger verteilen. Wieder verloren wir drei Stunden und viel Schweiß. Die Besatzung des LKW mit defektem Anhänger zog diesen zu einer Spedition, während der Hauptteil des Konvois weiter fuhr Richtung Smolensk.

Durch eine kleine Unaufmerksamkeit verpassten wir eine Abfahrt und erlebten eine weitere „Stadtrundfahrt“ durch Minsk im Feierabendverkehr. Doch auch die engen und schlechten Straßen von Minsk hatten wir gemeistert. Vorsichtshalber fuhr nun ein LKW mit Anhänger ein gutes Stück voraus um den Konvoi in der Dunkelheit vor Schlaglöchern zu warnen.

Um 00:30 Uhr erreichten wir Smolensk. Das Zugfahrzeug des defekten Anhängers sowie der Kombi hatten noch nicht aufgeschlossen und ein Funkkontakt kam nicht zustande. Der größte Teil der Mannschaft bezog die Zimmer und nach ein paar Bier konnten wir um 03:00 ein Bett aufsuchen.

Der nächste Morgen, am fünften Tag , führte uns unter Polizeibegleitung nach Moskau. Doch 50 km vor dem Ziel mussten wir noch an einer sehr abenteuerlichen Tankstelle unsere Tanks füllen.
Das Betanken der Fahrzeuge gestaltete sich meistens schwierig, da wir immer ca. 2500 Liter Diesel benötigten, das akzeptierte Zahlungsmittel nicht immer klar war und die Technik der Tankstellen auch schon mal unsere Hilfe benötigte. Doch mit Hilfe von Kaffee und Nylonstrümpfen wurden alle Probleme gemeistert.

Um 17 Uhr erreichten wir den Ortseingang von Moskau. Unter erneutem Polizeischutz fuhren wir dann um 19:00 Uhr, nach einigem Suchen durch die Polizei, eine Spedition an. Dort war über unsere Ankunft niemand informiert, obwohl uns das von Bonn zugesagt war.
Eigentlich dachten wir, dass wir in einem Schlachthof gestrandet wären, denn es wurden auch solche Tätigkeiten dort durchgeführt. Es gelang uns aber doch noch, um 22:00 unter der Führung eines Krankenfahrzeugs des MHD ein Hotel zu beziehen und um 23:30 schlafen zu können.

Nach einem recht guten Frühstück wurde die gesamte Mannschaft in die 25 km entfernte Spedition gefahren um das persönliche Gepäck abzuholen. Anfangs noch mit einem Taxi als Lotsen, dann autark. Da in der Spedition keinerlei logistische Aktivitäten und Organisation zu verzeichnen war, musste die Ladung weiterhin auf den LKW bleiben.

Um 13:30 Uhr führte unser Weg uns zurück in das Hotel zum Mittagessen, so dass wir um 15:30 Uhr eine Stadtrundfahrt mit einem Bus und der Metro erleben konnten. Im Zentrum von Moskau , dem Roten Platz wuden wir in einem bekannten Hotel zum Mittagessen von einer russischen Delegation erwartet, die erst kürzlich in Aachen war. Um 22:15 Uhr war ein langer Tag der Arbeit, mit Besichtigungen, dem Kauf von Geschenken für die Familien und dem Leeren einiger der mitgebrachten Dosen „Schweppes“ beendet.


Weiter geht es im Teil 2



Text & Bilder:
Markus Kalf
Zugführer 2. Technischer Zug OV Aachen


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